Julius und der FC Basel 1893

Text: Michael Jucker

«Wann ist der FC Basel so berühmt geworden?

fragte Julius bei unserem Besuch in der Isaak Iselin Schule. Michael Jucker von Stadt.Geschichte.Basel antwortet.

Lieber Julius,

Danke für deine interessante Frage. Es freut mich, dass du eine sporthistorische Frage stellst. Denn am Sport und insbesondere am Beispiel des Fussballs lassen sich ganz unterschiedliche Dinge der Geschichte zeigen: Erfolge, Misserfolge, schöne Geschichten, traurige Geschichten, aber auch, wie sich der Sport gewandelt hat: Heute ist Fussball beliebt, früher war er verpönt.

Deine Frage zur Berühmtheit ist wichtig. Berühmtheit und Erfolg sind relativ individuell. Für die einen Spieler ist Erfolg, wenn sie zu einem noch berühmteren Verein ins Ausland können. Für andere ist vielleicht ein schönes Tor der Erfolg, oder eine Parade und ein abgewehrter Schuss. Für den Verein wiederum ist Erfolg auch an wirtschaftliche Dinge gebunden, wenn also Aufwand und Ertrag einigermassen stimmen. Erfolg ist aber immer relativ. Das kann einzelne Spieler betreffen oder die ganze Mannschaft oder auch den Verein. Und es ist im Verlauf der Zeit nicht immer gleich. Erfolg ist deshalb für Historiker*innen nicht wirklich gut messbar, weil er eben unterschiedlich ist. Und zwar je nach Person, je nach Verein und je nach Zeit.

Michael Jucker
Michael Jucker
Cupfinal in Bern: Basel gegen Lausanne 2:1. ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Lindroos, Wolfgang
Cupfinal in Bern: Basel gegen Lausanne 2:1. ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Lindroos, Wolfgang

«Erfolg isch nyt alles im Läbe»

das ist ein Motto der Muttenzerkurve. Das finde ich eine gute Aussage, denn im Sport ist auch die Freude am Sport, das sich Engagieren für den Sport, das Fan- und Zusammensein, die Unterstützung und der Zusammenhalt in guten und schlechten Zeiten wichtig. Das ist auch Teil der Kurvenkultur: Dass man zum Verein hält, wenn es ihm mal nicht so gut geht und die Mannschaft immer unterstützt und begleitet.

Wenn man in die Geschichte des FCB schaut, so ist Erfolg sicher dann sichtbar, wenn er Meister wurde, oder europäisch gut spielte. Das war nicht immer so.

Du weisst sicher, der FCB wurde 1893 gegründet. Es war eine Zeit, als der Fussball aus England durch Kaufleute, Studenten und Touristen in die Schweiz kam. Englische Studenten und Gymischüler spielten ihn, zuerst unter sich und dann kam einigen die Idee einen Verein zu gründen. Darum haben viele Vereine auch in der Schweiz englische Namen, wie Old Boys Basel, Young Boys, Grasshopper oder auch das F.C. das kommt von Footballclub.

Am Anfang gab es jedoch Widerstand gegen die Jungs, die "Tschutten" wollten. Die Turner und Schwinger, aber auch Pfarrer und Lehrer sahen darin zu viel Ablenkung, zu viel Fremdes und wetterten gegen neue Sportarten wie Velofahren und Fussball.

FC Basel Cupsieg. ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Comet Photo AG (Zürich)
FC Basel Cupsieg. ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Comet Photo AG (Zürich)

Doch wie wurde der Verein gegründet?

Die Jungs haben ein Inserat in der «Basler Nationalzeitung» vom 12. November 1893 geschaltet:

«Behufs Gründung eines Footballklubs sind sämtliche Freunde dieses Sports eingeladen, nächsten Mittwoch abends 8:15 Uhr im oberen Saale der Schuhmachern-Zunft zu einer Besprechung zusammen zu kommen.

So kamen sie erstmals zusammen, unter den ersten Spielern waren auch einige Ruderer, das zeigt auch den englischen Einfluss.

Einige Tage später spielten sie schon den ersten Match auf dem Rankhof. Also noch nicht im Joggeli.

Ab 1899 spielte der FCB in der Meisterschaft mit. Und der Verein wuchs rasch, der Erfolg liess hingegen noch auch sich warten. 1939 stieg er sogar ab und wurde erst 1953 zum ersten Mal Schweizer Meister.

Cupfinal zwischen FC Basel und FC Zürich. ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Comet Photo AG (Zürich)
Cupfinal zwischen FC Basel und FC Zürich. ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Comet Photo AG (Zürich)

Rivalität mit Tradition

Du hast sicher auch schon von der Rivalität zwischen dem FC Zürich und dem FC Basel gehört. Die ist nicht erst in den letzten Jahren entstanden und auch nicht erst am 13. Mai 2006, als der FCB in letzter Minute, nämlich der 93. die Meisterschaft an den FCZ verlor.

Diese Rivalität ist bereits in den 1960ern entstanden. Damals hatte der FCB eine sehr gute Mannschaft und einen guten Trainer, nämlich Helmut Benthaus. In dieser Mannschaft spielte auch Karli Odermatt, der heute noch im Verwaltungsrat des FCB ist. In der Zeit war aber auch der FC Zürich ein grosser Verein. Damals spielte beispielsweise Köbi Kuhn beim FCZ. Und weil sich die beiden Vereine ab 1967 immer wieder als Sieger abwechselten in der Meisterschaft und im Cup, entstand eine Rivalität, die viele Zuschauer anlockte, in den Medien diskutiert wurde und die Spieler anstachelte.

Den beiden Vereinen ging es aber nicht immer gut. 1988 stiegen beide in die Nati-B ab, also in die Challenge-League, wie man heute sagt. Beide hatten auch mit finanziellen Problemen zu kämpfen.

Eine zweite Erfolgswelle erlebte der FCB dann ab den 2000er Jahren, die bis zur Ablösung durch YB anhielt im letzten Jahr. Ab 2001 reihten sich Erfolg an Erfolg. Mit wenigen Unterbrüchen – 2006, 2007 und 2009 – als der FC Zürich Meister wurde. Grund für den Erfolg und Aufschwung ist sicher auch die damalige Übernahme des FCB durch eine Frau: «Gigi», Gisela, Oeri zahlte die Schulden des Vereins und baute eine gute Nachwuchsabteilung auf. Ebenfalls zum Erfolg beigetragen hat die Einkaufspolitik: Der FCB kaufte von anderen (damals) erfolgreichen Vereinen wie beispielsweise von den Grasshoppers gute Spieler und integrierte sie in die eigene Mannschaft: So zum Beispiel Pascal Zuberbühler, Murat Yakin und weitere.

Zum Erfolg beigetragen haben dann auch die magischen Nächte der Champions-League. Dem FCB gelangen grossartige Siege gegen bedeutende Mannschaften, was wiederum viel Geld in die Vereinskasse spülte.

Und nun YB, warum eigentlich? Schwierig zu sagen, aber Historiker schauen auch lieber in die Vergangenheit als in die Gegenwart und Zukunft

Ich wünsche dir, lieber Julius, viel Erfolg in der Schule und im Sport und vielleicht wirst du ja selber mal ein bekannter Sportler oder findest Gefallen an der Sportgeschichte.

Basel, St. Jakob, Joggeli-Stadion, Fussballspiel 1954.  Bildnachweis: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz / Fotograf: Friedli, Werner
Basel, St. Jakob, Joggeli-Stadion, Fussballspiel 1954. Bildnachweis: ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz / Fotograf: Friedli, Werner

Gespräch

Julius aus der Primarschule Isaak Iselin hat seine Frage der Webredaktion gestellt und unser Mitarbeiter Michael Jucker, Leiter des FCZ-Museums und Co-Projektleiter von Digital Swiss Sports History Portal hat sie für uns beantwortet.

Weiterführendes

Was die Stadt Basel bewegt, findet seinen Niederschlag auch im Stadtbuch, entsprechend viele Beiträge finden sich zum FC Basel.

Das Dossier: FC Basel 1893: 125 Jahre auf der Achterbahn von Josef Zindel. 2018

oder zum Thema Joggeli

Genau so war's!. Abschied vom ‹Joggeli› von Peter Herzog, 1999.

oder der früheren Spielstädte: Rankhof

Sportanlagen im Kleinbasel. Der Rankhof des FC Nordstern von Romano Hänni, 1996.

Borostyan, Dora (Hrsg). Spielerinnen des FC Basel 1893. Basel 2012.

Loser, Philipp; Mangold, Thilo; Miozzari, Claudio; Rockenbach, Michael. Der FC Basel und seine Stadt: eine Kulturgeschichte. Basel, 2018.

Raz, Florian; Kieslich, Christoph. 111 Gründe, den FC Basel 1893 zu lieben. Berlin, 2015.

Zindel, Josef. FC Basel 1893: Die ersten 125 Jahre. Basel, 2018.

Im Staatsarchiv gibt es viele Fotografien und den Bestand: Fussballclub Basel (ab 19??: FC Basel 1893), 1893-2003 (Fonds)

Interessante Objekte die dazugehörenden Geschichten bietet das Sportmuseum online an und der Fanshop des FC Basel 1893.