Band 8

1960-heute

Text: Webredaktion

1960-heute

«Überraschend ist, wie jung gewisse Entwicklungen sind, die wir heute für selbstverständlich halten.

Band 8

... beschäftigt sich mit der Vorgeschichte der Gegenwart von Basel. Umweltschutz, mangelnder Wohnraum, Gleichstellung: Viele aktuelle Themen gewannen seit den 1960er Jahren an Aufmerksamkeit – und verloren sie bis heute nicht. Der Band setzt in der Hochkonjunktur ein und verfolgt die Entwicklungen bis heute. Wie hat sich Basels Umgang mit Migrant*innen verändert? Was für eine Rolle spielt der Standort noch für die Basler Chemie und Pharma, die längst global handelt, forscht und produziert? Und wie lässt sich erklären, dass es im "reichen" Basel wiederholt hohe Armutsraten und Wohnungsnot gab? Diesen und weiteren Fragen gehen die Autor*innen auf den Grund und nehmen dabei verschiedene Blickwinkel ein.

Herausgeber
Martin Lengwiler

Autor*innen
Silas Gusset, Tobias Ehrenbold, Anina Zahn

Erscheint am
1. März 2025 im Christoph Merian Verlag

Anina Zahn: "Mein Name ist Anina Zahn, und zusammen mit Silas Gusses schreibe ich an Band 8 der neuen Basler Stadtgeschichte. Der Band wird von Martin Lengwiler herausgegeben.

In Band 8 geht es um die neuste Basler Zeitgeschichte: Wir beginnen in der Zeit der Hochkonjunktur um 1960 und enden in der Gegenwart. Spannend an unserem Band ist, dass er von Problemen und Auseinandersetzungen der Gegenwart ausgeht und diese zurückverfolgt: Ab wann setzte man sich in Basel mit Umweltfragen auseinander? Wie begegnete man der Wohnungsnot, die seit Langem ein Dauerproblem war? Wie ging Basel mit Migrantinnen und Migranten um? Welche Rechte mussten sich Frauen nach Erhalt des Frauenstimmrechts erst noch erkämpfen? Und welche Auswirkungen hatte die Globalisierung auf die Basler Wirtschaft? Der Blick auf gegenwärtige Debatten macht deutlich, dass viele Themen, die in 1960er Jahren aufgekommen sind, ihre Aktualität bis heute bewahrt haben.

Wir beleuchten diese Fragen aus verschiedenen Perspektiven und schenken verschiedenen Stimmen Gehör. Nicht nur jenen von Politikerinnen und Politikern und von Regierenden, sondern auch jenen von Migrantinnen und Migranten, Armutsbetroffenen, Jugendlichen und älteren Menschen. Das ist ein Vorteil unseres Zeitraums: Die Vielfalt der Quellen erlaubt es, die Basler Geschichte von verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Überraschend ist, wie jung gewisse Entwicklungen sind, die wir heute für selbstverständlich halten: Zum Beispiel, dass Basel heute nicht stinkt, was in gewissen Industriequartieren in der Hochkonjunktur noch der Normalfall war, oder dass es bis weit in die 2000er Jahre hinein nur wenige Angebote für familienexterne Kinderbetreuung gab. Auch das heute reichhaltige Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche entwickelte sich erst ab den 1960er Jahren und zeigt ein neues pädagogisches Verständnis auf. Die erste Basler Tramchauffeuse gab es erst in den 1980er Jahren! Ein weiterer Punkt ist das Aufkommen neuer Technologien, die unsere Arbeitsorte und Berufe verändert haben und das jetzige HomeOffice erst möglich machen. Dies alles zeigt, wie anders der Alltag noch vor 50 Jahren war."

Silas Gusset: "Die Basler Stadtgeschichte seit den 1960er Jahren ist eine bewegte Zeit. Es ist spannend zu beobachten, wie die Stadt in diesem Zeitraum immer vielfältiger und bunter wird. Neue soziale Bewegungen brechen mit etablierten Konventionen und stellen neue Anforderungen an das gemeinsame Leben. Neue Parteien dringen in das Rathaus vor, andere spalten sich auf. Neue Themen wie Umweltschutz werden wichtig für die Stadtplanung. Durch die zunehmende Migration wird Basel stärker denn je ein Ort religiöser Vielfalt. Im kulturellen Bereich entstehen neue Milieus und Szenen, neben der klassischen Hochkultur bilden sich Pop- und Subkulturen mit ihren eigenen basisspezifischen Ausdrucksformen.

Aber auch der Alltag wird immer bewegter und mobiler: Das Auto – das Symbol der Hochkonjunktur schlechthin – wird zu einem steten Begleiter von vielen Arbeiter*innen in der Region. Das Viadukt bei der Heuwaage mit dem Cityring ist bis heute ein prägendes Monument dieser neuen Mobilität. Der Bauboom und die neue Konsumfreude sind Teil einer optimistischen Grundstimmung in den 1960er Jahren, die Zukunft scheint gestaltbar. Diese Grundstimmung kippt allmählich in den 1980er Jahren und weicht einer eher pessimistischen Zukunftsvorstellung.

Spannend an all diesen Entwicklungen ist, dass sie in einer immer stärker global vernetzten Welt stattfinden. Das zeichnet sich stark in der Basler Wirtschaft ab: In den 1990er Jahren kommt es zu unzähligen Fusionen, unter anderem im Pharma- und im Finanzbereich. Basel seit den 1960ern lässt sich nicht isoliert betrachten – es gibt Abhängigkeiten, neuen Wettbewerb, aber auch Verflechtungen und ideelle Befruchtungen. Diesen Spuren wollen wir bei unserer Arbeit an Band 8 folgen."